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Ratgeber · Anti Aging

Welche Inhaltsstoffe sollte man vermeiden?

Parfum, Silikone, Parabene: Welche Inhaltsstoffe solltest du wirklich meiden – und welche Kritik hält einer sachlichen Prüfung nicht stand? Wir sortieren die Zutatenliste sachlich ein.

Von Dr. Mira AlbersAktualisiert 04. Oktober 2026

Titelbild zum Ratgeber: Welche Inhaltsstoffe sollte man vermeiden?

Das Wichtigste in Kürze

Ganz ohne umstrittene Inhaltsstoffe zu pflegen ist fast unmöglich – entscheidend ist, zu wissen, welche Stoffe deine Haut wirklich nicht verträgt. Am häufigsten sind es Duftstoffe und ätherische Öle; aggressiv wirkende Tenside und hoher Alkoholgehalt schwächen zusätzlich die Hautbarriere.

  • Am häufigsten unverträglich sind Duftstoffe und ätherische Öle – bei empfindlicher Haut lohnt sich parfumfreie Pflege.
  • Mineralöle und Silikone gelten als sicher, legen sich aber nur als Film auf Haut und Haar und pflegen nicht aktiv.
  • Aggressive Tenside wie Natriumlaurylsulfat und hoher Alkoholanteil können die Hautbarriere schwächen.
  • Die EU verpflichtet Hersteller, 26 Duftstoffe einzeln zu deklarieren – die Zutatenliste verrät also, was drin ist.
  • Je kürzer und transparenter die Rezeptur, desto leichter erkennst du, was dein Hauttyp gut verträgt.

Warum die Inhaltsstoffliste wichtiger ist als die Versprechen

Auf der Vorderseite einer Verpackung steht, was ein Produkt verspricht. Auf der Rückseite steht, was es wirklich enthält. Wer wissen will, ob eine Creme, ein Öl oder ein Shampoo zur eigenen Haut passt, findet die ehrlichere Antwort in der kleinen Zutatenliste – der INCI-Liste – und nicht in Werbeaussagen wie „hautfreundlich“, „rein“ oder „sanft“, die im Gegensatz zu vielen Zutaten rechtlich kaum definiert sind.

Das bedeutet nicht, dass Hersteller grundsätzlich täuschen. Es bedeutet nur, dass Begriffe wie „mild“ oder „dermatologisch getestet“ wenig über die einzelne Rezeptur aussagen. Ein Produkt kann nach dem Motto „frei von X“ werben und gleichzeitig einen Stoff enthalten, den dein Hauttyp genauso schlecht verträgt. Wer die Zutatenliste lesen kann, ist von solchen Schlagworten unabhängig.

In diesem Ratgeber gehen wir die Stoffe durch, die in Kosmetik am häufigsten kritisiert werden: Duftstoffe, ätherische Öle, Konservierungsmittel, Mineralöle, Silikone, Alkohol, Tenside und Polymere. Wichtig ist dabei ein nüchterner Blick: Nicht jede kritisierte Zutat ist automatisch schädlich, und nicht jede natürliche Zutat ist automatisch unbedenklich. Am Ende zählt, was dein Hauttyp gut verträgt – und das lernst du am besten, wenn du weißt, was du tatsächlich aufträgst.

So liest du die INCI-Liste richtig

Die Zutatenliste auf Kosmetik folgt festen Regeln. Zutaten, die mit mehr als einem Prozent enthalten sind, stehen in absteigender Reihenfolge. Alles, was unter einem Prozent liegt, darf in beliebiger Reihenfolge am Ende aufgeführt werden. Die erste Position verrät also oft den Grundstoff: Bei einem Pflanzenöl steht dort fast immer Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojoba), Prunus Amygdalus Dulcis Oil (Mandel) oder eine andere lateinische Ölspezifikation.

Viele Namen klingen chemisch, sind aber harmlos oder sogar natürlich: Tocopherol ist Vitamin E, Squalane kann aus Oliven stammen, und Natriumbenzoat ist ein Salz der Benzoesäure. Hilfreich ist die Faustregel: Was ganz vorne steht, macht den Großteil des Produkts aus. Was ganz hinten steht, ist oft nur in Spuren enthalten – etwa als Konservierungsstoff oder Farbton. „Chemisch“ bedeutet übrigens nicht „künstlich“: Auch Wasser ist in der INCI-Sprache Aqua und damit ein chemischer Stoff.

Zwei Dinge solltest du beim Lesen besonders im Blick behalten. Erstens den Sammelbegriff Parfum, unter dem sich Dutzende Einzelstoffe verstecken können. Zweitens die allergenen Duftstoffe, die die EU einzeln deklarieren lässt, wenn sie eine bestimmte Schwelle überschreiten. Beide Themen behandeln wir in den nächsten Abschnitten ausführlich, weil sie die häufigste Quelle für Hautreizungen sind.

Duftstoffe und Parfum: die häufigsten Auslöser

Wenn Menschen auf ein Pflegeprodukt mit Rötung, Juckreiz oder brennender Haut reagieren, ist der häufigste Auslöser kein Konservierungsmittel und kein Emulgator, sondern der Duft. In der Zutatenliste versteckt sich der Duft meist hinter dem Sammelbegriff Parfum oder Fragrance. Dahinter können einzelne natürliche oder synthetische Duftstoffe stehen, aber auch komplexe Mischungen aus Dutzenden Komponenten – ohne dass die Liste verrät, welche.

Für die meisten Menschen ist das unproblematisch: Duftstoffe in Kosmetik sind zugelassen und in den üblichen Konzentrationen gut verträglich. Kritisch wird es bei empfindlicher Haut, bei Neurodermitis, bei geschädigter Hautbarriere und bei Menschen, die ohnehin zu Kontaktallergien neigen. Gerade Produkte, die täglich und großflächig aufgetragen werden – Körperlotion, Handcreme, Gesichtsöl –, summieren die Exposition.

Wenn du zu Reizungen neigst, ist parfumfreie Pflege der einfachste Hebel, den du hast. Achte allerdings auf den Unterschied zwischen „parfumfrei“ und „ohne künstliche Dufstoffe“: Ein Produkt kann auf künstlichen Duft verzichten und trotzdem ätherische Öle enthalten, die ihrerseits stark duften und allergen wirken können. Verlässlich ist nur die Zutatenliste. Steht dort kein Parfum, kein Fragrance und keine deklarationspflichtigen Duftstoffe, ist das Produkt wirklich ohne Duft.

Ätherische Öle: natürlich ist nicht immer harmlos

Ätherische Öle genießen einen guten Ruf, weil sie natürlich sind. Für die Haut gilt das nur mit Einschränkung. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte und enthalten Stoffe wie Limonen, Linalool, Citronellol, Geraniol, Citral und Eugenol – genau die Stoffe, die auch auf der EU-Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffe stehen. Natürliche Herkunft schützt nicht vor allergischen Reaktionen: Zitrusöle, Lavendelöl, Rosengeranie oder Nelkenöl zählen zu den häufigeren Auslösern von Kontaktallergien.

Zusätzlich gibt es ein zweites Problem, das weniger bekannt ist: Ätherische Öle verändern sich mit Luft und Licht. Limonen oxidiert zu Stoffen, die deutlich reizender sind als das Ausgangsmaterial. Ein angebrochenes Ölprodukt, das monatelang offen im Badezimmer steht, kann deshalb mit der Zeit unangenehmer werden, obwohl die Rezeptur gleich geblieben ist.

Das heißt nicht, dass du ätherische Öle verbannen musst. Wer sie gut verträgt und ein Produkt mit Duft angenehm findet, kann sie bedenkenlos verwenden. Bei empfindlicher Haut, bei Kleinkindern und bei großen Hautflächen ist es aber oft die klügere Wahl, auf duftende Öle ganz zu verzichten. Ein einziges, reines Pflanzenöl ohne Duftkomponente – etwa Hagebuttenkernöl, Jojoba oder Mandelöl – bringt die pflegende Wirkung mit, ohne das Allergierisiko.

Konservierungsstoffe: notwendig, aber nicht alle gleich

Jedes wasserhaltige Pflegeprodukt müsste ohne Konservierungsstoffe innerhalb weniger Wochen Keime bilden. Konservierung ist also keine Laune der Hersteller, sondern Schutz für dich. Die spannende Frage ist nicht, ob konserviert wird, sondern womit.

Besonders kritisch betrachtet werden Isothiazolinone wie Methylisothiazolinon und Methylchloroisothiazolinon. Sie waren jahrelang in leave-on-Produkten erlaubt, führten zu einer Welle von Kontaktallergien und sind in Cremes und Lotionen heute verboten – in Spül- und Waschprodukten aber weiterhin erlaubt. Auch Formaldehyd-Abspalter wie DMDM Hydantoin oder Imidazolidinyl Harnstoff stehen in der Kritik, weil sie über die Zeit kleine Mengen Formaldehyd freisetzen und Allergien auslösen können.

Harmlosere Alternativen sind Phenoxyethanol (in der EU auf maximal ein Prozent begrenzt), Benzylalkohol, Natriumbenzoat mit Säure und Kaliumsorbat. Wer ganz ohne klassische Konservierung pflegen möchte, greift zu wasserfreien Produkten: Reine Pflanzenöle und Ölmischungen brauchen in der Regel gar keinen Konservierungsstoff, weil in Öl keine Keime wachsen – dort reicht Vitamin E (Tocopherol) als Oxidationsschutz. Genau deshalb sind Öle eine gute Wahl, wenn du eine möglichst kurze Zutatenliste suchst.

Mineralöle: Paraffine und Vaseline sachlich eingeordnet

Wenige Zutaten werden so hitzig diskutiert wie Mineralöle. Paraffinum Liquidum, Petrolatum (Vaseline) und Cera Microcristallina stammen aus Erdöl – daher die Ablehnung. Die sachliche Einordnung fällt differenzierter aus: Kosmetische Mineralöle sind hoch gereinigt und pharmazeutisch qualifiziert. Die Stoffe, die im rohen Erdöl problematisch wären, sind daraus entfernt. In dieser Reinheit gelten Mineralöle als sehr sicher und reizen die Haut kaum; deshalb werden sie auch in Wund- und Babycremes verwendet.

Der berechtigte Einwand ist ein anderer: Mineralöle pflegen nicht aktiv, sondern legen sich als wasserdichter Film auf die Haut. Sie reduzieren Wasserverlust und wirken so Schutz schaffend – aber sie bringen keine Fettsäuren, kein Vitamin E und keine pflegenden Wirkstoffe mit. In günstigen Produkten füllen sie zudem oft den Großteil der Rezeptur, während teurere wirksame Zutaten knapp bemessen bleiben.

Unser Fazit: Vermeiden musst du Mineralöle nicht. Wer aber möchte, dass Pflege etwas in die Haut liefert statt nur darüberzulegen, wählt Produkte, deren Basis aus Pflanzenölen besteht. Ein Blick auf die erste Position der Zutatenliste genügt: Steht dort ein Pflanzenöl statt Paraffinum Liquidum, ist die Basis pflanzlich.

Silikone: glatter Film mit Vor- und Nachteilen

Silikone wie Dimethicone, Cyclopentasiloxane oder die im Haarbereich verbreiteten Amodimethicone machen Haut und Haar sofort glatt. Das ist ihr Vorteil und ihr Problem zugleich: Die Wirkung ist ein Film, kein Stoffwechselprozess. Auf der Haut mildert Dimethicon Trockenheit spürbar, ist gut verträglich und wird selbst von sehr empfindlicher Haut selten schlecht geduldet. In Haarpflege legen Silikone sich um jede einzelne Haarstruktur, glätten die Schuppenschicht und lassen die Haare weich kämmbar werden.

Die Nachteile: Der Effekt ist oberflächlich und verschwindet mit der nächsten Wäsche. Bei häufigem Gebrauch können sich manche Silikone im Haar ablagern, es beschweren und aussehen lassen, als sei es fettig – dann hilft nur eine klärende Wäsche mit einem stärkeren Tensid, was die Haare wieder strapaziert. Auf der Haut verdrängen silikonlastige Produkte manchmal die eigentlich pflegenden Zutaten, weil der Film sich sofort anfühlt, als wäre die Arbeit getan.

Für die Nagelpflege gilt zusätzlich: Ein Silikonfilm auf Nagel und Nagelhaut sieht gepflegt aus, hat aber nichts mit echter Pflege zu tun. Ein gutes Nagelöl basiert stattdessen auf eindringenden Pflanzenölen. Silikone sind also nicht schädlich – aber wenn du echten Pflegeeffekt suchst, ist ein silikonfreies Produkt meist die bessere Wahl.

Alkohol in der Pflege: wann er trocknet und wann nicht

Alcohol denat hat einen schlechten Ruf, der zum Teil berechtigt ist. Steht Alkohol weit vorne in der Zutatenliste – etwa in manchen Tonics, Seren und Sprays –, kann er die Hautbarriere schwächen, lipidlösend wirken und bei regelmäßiger Anwendung Trockenheit und Spannen verstärken. Bei fettiger Haut werden alkoholhaltige Produkte manchmal bewusst eingesetzt, weil sie sich fettfrei anfühlen; langfristig kann das die Haut aber reizen und sogar zu vermehrter Talgproduktion anregen.

Die andere Seite: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Fettalkohole wie Cetyl Alcohol, Cetylstearyl Alcohol oder Behenyl Alcohol sind langkettige, wachsartige Stoffe, die nichts mit Brennspiritus zu tun haben. Sie sind klassische Bestandteile von Cremes, wirken rückfettend und gelten als sehr gut verträglich. Wenn du also in einer Rezeptur Cetyl Alcohol liest, darfst du beruhigt sein.

Relevant ist also die Menge und die Position: Ein hoher Anteil an Alcohol denat am Anfang der Liste verdient bei trockener und empfindlicher Haut Skepsis. Kleine Mengen weiter hinten – etwa als Lösemittel für einen Wirkstoff oder als Konservierungshelfer – sind in der Praxis selten ein Problem. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, wählt alkoholfreie Öle und Cremes, deren Basis aus Lipiden statt aus Wasser und Lösemitteln besteht.

Sulfate und aggressive Tenside: was sie mit der Barriere machen

Tenside sind die waschaktiven Substanzen, die Schmutz, Talg und Öl von Haut und Haar lösen. Das klassische Beispiel ist Natriumlaurylsulfat (SLS) – ein sehr wirksames, aber auch sehr hartes Tensid. Es wäscht nicht nur den Schmutz weg, sondern auch einen Teil der Lipide aus der Hautbarriere. Das spürst du als Spannen nach der Wäsche; bei trockener oder empfindlicher Haut, bei Neurodermitis und bei gereizter Kopfhaut kann es Reizungen verschlimmern.

Wichtig zur Einordnung: In einem Spülprodukt, das sekundenschnell abgewaschen wird, ist ein starkes Tensid weniger kritisch als in einem Produkt, das auf der Haut bleibt. Dennoch gilt: Wer trockene Haut oder ein unruhiges Kopfhautgefühl hat, profitiert fast immer von mildereren Tensiden. Gute Alternativen in der Zutatenliste sind zucker- und kokosbasierte Tenside wie Coco-Glucoside, Decyl Glucoside, Lauryl Glucoside oder Cocamidopropyl Betain (letzteres in milder Dosierung).

Ein Zusatzhinweis für Ölnutzer: Auch sehr milde Tenside entfernen Öl aus der Haut. Wenn du viel mit Pflanzenölen pflegst, achte darauf, die rückfettende Routine danach nicht gleich wieder wegzuwachsen – nach dem Händewaschen oder Duschen gehört Pflege nach, sonst arbeitet die Wäsche gegen die Pflege.

Mikroplastik und synthetische Polymere

Mikroplastik in Kosmetik meint feste, wasserunlösliche Kunststoffteilchen – vor allem in Peelings, wo Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) als Schleifpartikel eingesetzt wurden. In vielen Ländern, auch in der EU, sind feste Mikroplastikpartikel in Rinse-off-Peelings inzwischen stark eingeschränkt oder verboten. In der Zutatenliste erkennst du sie an Namen wie Polyethylene oder Polypropylene, die direkt hinter dem Wirkstoff stehen, wenn sie als Peelingpartikel dienen.

Die Debatte ist hier weniger hautbezogen als umweltbezogen: winzige Partikel, die nicht abbaubar sind und in Gewässer gelangen. Für die Haut selbst sind die Teilchen nicht giftig, aber auch nicht nützlich – natürliche Schleifmittel wie Zucker, Salz oder gemahlene Kerne erfüllen denselben Zweck.

Unübersichtlicher ist die Gruppe der wasserlöslichen Polymere wie Carbomer, Acrylates Copolymer oder Polyquaternium-Verbindungen. Sie dienen als Gelbildner, Filmformer und Konditionierer und fallen nicht unter strenge Mikroplastik-Definitionen, weil sie sich auflösen. Wer maximale Klarheit will, sucht nach Produkten, die mit natürlichen Gelbildnern wie Xanthan Gum oder Agar arbeiten – diese stehen deshalb immer öfter in der Zutatenliste von Naturkosmetik.

PEGs und Emulgatoren: berechtigte Fragen, übertriebene Panik

PEGs (Polyethylenglykole) und ihre Verwandten – PEG-40 Hydrogenated Castor Oil, PEG-100 Stearate und viele mehr – sind Arbeitspferde der modernen Kosmetik. Sie verbinden Wasser und Öl, machen Cremes cremig, Seren leicht auftragbar und Wirkstoffe löslich. Kritisiert werden sie aus zwei Gründen: Sie können die Hautbarriere für andere Stoffe durchlässiger machen, und sie werden aus Erdöl hergestellt, was sie für Naturkosmetik unattraktiv macht.

Die sachliche Antwort ist ernüchternd: In kosmetischer Qualität gelten PEGs als sicher und werden von der Haut kaum aufgenommen. Das Penetrationsargument ist real, aber meist harmlos – es betrifft vor allem sehr große Mengen auf geschädigter Haut. PEG-haltige Produkte sind keine Gefahr für die Gesundheit, aber auch kein Plus für die Haut. Sie sind neutral.

Wer PEGs meiden möchte, kann das tun, ohne auf Wirkkomfort zu verzichten: Viele Naturkosmetik-Rezepturen emulgieren mit pflanzlichen Alternativen wie Glycerin, Xanthan, Lecithin oder Zuckerestern. Der praktischste Hebel bleibt wie immer die Zutatenliste – die Reihenfolge verrät dir, ob eine Emulsion hauptsächlich aus Wasser, Pflanzenölen oder Füllstoffen besteht, und das ist informativer als jede PEG-Diskussion.

Welche Stoffe dein Hauttyp besonders kritisch sieht

Nicht jede Rezeptur ist für jede Haut gleich gut geeignet. Was für fettige Haut ideal ist, kann trockene Haut noch weiter austrocknen – und umgekehrt. Deshalb ist es sinnvoller, nach Hauttyp zu filtern als nach generellen Verbotslisten.

Bei empfindlicher, zu Rötungen neigender Haut und bei Rosazea sind die größten Kandidaten Duftstoffe, ätherische Öle und hohe Alkoholanteile. Hier lohnt sich parfumfreie, kurze Rezeptur. Bei trockener Haut sind es aggressive Tenside und reichlich Alcohol denat – und paradoxerweise auch leichte, schnell einziehende Gels, die viel versprechen und wenig hinterlassen. Bei zu Akne neigender Haut zählen vor allem stark komedogene Stoffe: Isopropyl Myristate, Kokosöl in hohen Konzentrationen im Gesicht und manche schweren Mineralölwachse können Poren verstopfen. Bei Neurodermitis summieren sich Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Sulfate am stärksten.

Der verlässlichste Test ist und bleibt deine eigene Haut: Trage ein neues Produkt einige Tage an einer kleinen Stelle – etwa am Unterarm oder hinter dem Ohr – auf, bevor du es großflächig verwendest. Wenn dort nichts passiert, verträgst du es höchstwahrscheinlich. Wenn du eine konkrete Reaktion an einer Stelle bekommst, weißt du, wonach du auf der Zutatenliste suchen musst.

Die 26 deklarationspflichtigen Duftstoffe

Die EU hat eine Liste von 26 Duftstoffen festgelegt, die einzeln deklariert werden müssen, wenn sie eine bestimmte Konzentration überschreiten. Es sind meist Bestandteile ätherischer Öle, aber auch synthetische Duftmoleküle. Zu den bekanntesten gehören Limonene, Linalool, Citronellol, Geraniol, Citral, Eugenol, Coumarin, Benzyl Alcohol und Evernia Prunastri (Eichenmoos). Du erkennst sie in der Zutatenliste sofort, weil sie in einer separaten Zeile am Ende stehen, oft mit einem Sternchen oder dem Hinweis auf natürliche Bestandteile ätherischer Öle.

Was bedeutet das praktisch? Ein Produkt kann auf der Vorderseite „mit natürlichen ätherischen Ölen“ werben und enthält gleichzeitig Linalool, Limonene und Citronellol – drei Stoffe, die zu den häufigeren Kontaktallergenen gehören. Das ist keine Täuschung, sondern eine zulässige Angabe. Aber für empfindliche Haut ist es ein Warnsignal, das die Vorderseite verschweigt und die Rückseite verrät.

Wenn du eine dieser Substanzen bereits als Allergen identifiziert hast, ist die Konsequenz einfach: Produkte mit dieser Zutat weglassen, auch wenn sie natürlich ist. Bei mehreren Allergenen hilft es, die eigene Liste im Kopf oder am Handy zu haben, damit du beim Einkaufen schnell filtern kannst. Viele Drogerien und Online-Shops bieten inzwischen Filtersuche nach „ohne Parfum“ oder „ohne bestimmte Duftstoffe“ an.

Parabene und hormonell wirksame Stoffe

Kaum eine Stoffgruppe wurde so gründlich diskutiert wie Parabene. Sie sind seit Jahrzehnten etablierte Konservierungsmittel, die Keimwachstum zuverlässig hemmen. In den 2000er-Jahren kam die Frage auf, ob manche Parabene hormonähnlich wirken könnten. Darauf folgten umfassende Bewertungen: Kurzkettige Parabene wie Methylparaben und Ethylparaben gelten in den erlaubten Konzentrationen als sicher. Längerkettige Varianten wie Propyl- und Butylparaben sind in der EU stark eingeschränkt, Isopropyl- und Isobutylparaben sind verboten.

Interessant ist die Nebenwirkung dieser Debatte: Viele Hersteller haben Parabene vollständig ersetzt – oft durch Konservierungsstoffe, die deutlich weniger gut getestet sind. Phenoxyethanol, Isothiazolinone und diverse Formaldehyd-Abspalter rückten nach, und einige davon erwiesen sich in der Praxis als allergieanfälliger als die ersetzten Parabene. Wer also „parabenfrei“ kauft, kauft nicht automatisch hautfreundlicher.

Gleiches gilt für UV-Filter und bestimmte Antimikrobien wie Triclosan: Hier gibt es berechtigte Diskussionen über Umweltauswirkungen und Hormonwirkung, und die EU zieht Grenzen nach. Die praktische Konsequenz ist aber nicht Panik, sondern Ausgewogenheit: Konservierung ist notwendig, Hormonwirkung in Kosmetikdosen ist wissenschaftlich nicht belegt für die erlaubten Stoffe, und die größeren Alltagsrisiken für deine Haut sind nach wie vor Duftstoffe und eine gestörte Hautbarriere – nicht Spuren von Konservierungsmitteln.

Fazit: bewusst auswählen statt alles verbannen

Wer die Liste der kritisierten Inhaltsstoffe komplett vermeiden will, bleibt fast nur noch bei Wasser – und selbst das heißt in der INCI-Sprache Aqua. Der sinnvollere Weg ist ein anderer: Du kennst die Stoffe, die deine Haut tatsächlich nicht verträgt, und filterst gezielt danach. Für die meisten Menschen sind das Duftstoffe und ätherische Öle, bei empfindlicher Haut zusätzlich Sulfate und hoher Alkoholgehalt.

Stoffe wie Mineralöle, Silikone, PEGs und Parabene sind in kosmetischer Qualität nicht gefährlich – sie sind nur oft nicht das, was Pflege maximal wirksam macht. Wenn du echten Pflegeeffekt suchst, lohnt sich der Blick auf die Basis: Produkte, deren erste Zutat ein Pflanzenöl ist, liefern Fettsäuren, Vitamin E und sekundäre Pflanzenstoffe, statt nur einen Film zu hinterlassen. Je kürzer die Zutatenliste, desto leichter ist sie zu bewerten – ein reines Öl mit einem oder zwei Inhaltsstoffen ist da der einfachste Fall.

In unseren Produkttests achten wir genau darauf: Wir listen die vollständige Rezeptur, ordnen sie sachlich ein und sagen dir, für welchen Hauttyp ein Produkt geeignet ist und wo es Grenzen hat. Wenn du ein konkretes Öl suchst, das ohne Duftstoffe und mit pflanzlicher Basis arbeitet, wirf einen Blick auf unseren Testsieger Hagebuttenkernöl Bio – ein einziges, reines Pflanzenöl, das zeigt, wie klar eine ehrliche Rezeptur aussehen kann.

Häufige Fragen: Welche Inhaltsstoffe sollte man vermeiden

Welche Inhaltsstoffe sollte man wirklich vermeiden?

Das hängt von deiner Haut ab. Am häufigsten auslösend für Reizungen sind Duftstoffe (Parfum) und ätherische Öle, gefolgt von bestimmten Konservierungsstoffen wie Isothiazolinonen und Formaldehyd-Abspaltern sowie aggressiven Tensiden wie Natriumlaurylsulfat. Bei empfindlicher Haut lohnt es sich, zunächst parfumfreie Produkte zu wählen und die Reaktion zu beobachten.

Ist Parfum in Kosmetik schädlich?

Für die meisten Menschen nicht. Duftstoffe in Kosmetik sind zugelassen und in den üblichen Konzentrationen gut verträglich. Kritisch werden sie bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut und bei Menschen mit Kontaktallergie – hier sind sie der häufigste Auslöser für Rötung, Juckreiz und Ekzeme.

Sind Mineralöle in der Pflege unbedenklich?

In kosmetischer Reinheit ja: Hoch gereinigte Mineralöle wie Paraffinum Liquidum und Vaseline gelten als sehr sicher und reizen die Haut kaum. Der Einwand ist eher pflegerisch: Sie legen sich als Film auf die Haut, reduzieren Wasserverlust, bringen aber keine aktiv pflegenden Stoffe wie Fettsäuren oder Vitamin E mit.

Sind Silikone schädlich für Haut und Haare?

Nein, Silikone wie Dimethicone gelten als sicher und werden auch von empfindlicher Haut selten schlecht vertragen. Nachteilig ist eher ihr oberflächlicher Effekt: Auf dem Haar können sie sich bei häufigem Gebrauch ablagern und es beschweren, auf der Haut verdecken sie den Mangel an pflegenden Zutaten. Wer echten Pflegeeffekt sucht, fährt mit silikonfreien Rezepturen oft besser.

Warum werden Parabene kritisiert – und sind sie gefährlich?

Parabene standen im Verdacht, schwach hormonell zu wirken. Die EU hat darauf reagiert: Kurzkettige Parabene gelten in erlaubten Mengen als sicher, längerkettige sind eingeschränkt, einzelne verboten. Wichtig zu wissen: Viele parabenfreie Produkte enthalten Ersatzkonservierungsmittel, die in der Praxis häufiger Allergien auslösen. Parabenfrei heißt also nicht automatisch hautfreundlicher.

Was bedeutet INCI?

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients – die standardisierte, internationale Namensgebung für Kosmetikzutaten. Zutaten über einem Prozent stehen in absteigender Reihenfolge, Reste in beliebiger Ordnung am Ende. Pflanzenöle führen ihren lateinischen Namen, etwa Simmondsia Chinensis Seed Oil für Jojobaöl.

Sind ätherische Öle besser als synthetische Duftstoffe?

Nicht unbedingt. Ätherische Öle sind natürlich, aber hochkonzentriert und enthalten Stoffe wie Limonene, Linalool und Geraniol – genau die Stoffe auf der EU-Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffe. Allergische Reaktionen auf natürliche Duftstoffe sind genauso möglich wie auf synthetische. Für empfindliche Haut ist die sicherere Wahl oft ein komplett duftfreies Produkt.

Woher weiß ich, ob ein Produkt wirklich parfumfrei ist?

Nur über die Zutatenliste. Steht dort kein Parfum, kein Fragrance, keine ätherischen Öle (z. B. Lavandula Oil) und keiner der 26 deklarationspflichtigen Duftstoffe wie Limonene oder Linalool, ist das Produkt ohne Duft. Werbung wie „ohne künstliche Dufstoffe“ reicht allein nicht aus, weil natürliche Öle trotzdem stark duften und allergen wirken können.

Sind PEGs gefährlich?

PEGs gelten in kosmetischer Qualität als sicher und werden von der Haut kaum aufgenommen. Kritikpunkte sind die Herkunft aus Erdöl und ein möglicher Penetrationseffekt für andere Stoffe – meist harmlos. Wer PEGs meiden möchte, findet zunehmend Rezepturen mit pflanzlichen Emulgatoren wie Glycerin, Xanthan oder Lecithin.

Worauf sollte ich bei empfindlicher Haut besonders achten?

Bei empfindlicher Haut sind die wichtigsten Hebel: parfumfreie Produkte, kurze Zutatenlisten, milde Tenside (z. B. Coco-Glucoside statt SLS) und keine hohen Alkoholanteile. Teste Neues einige Tage an einer kleinen Hautstelle, bevor du es großflächig verwendest, und achte auf Produkte, die die Hautbarriere mit Lipiden wie Pflanzenölen, Squalan oder Ceramiden unterstützen statt sie auszuwaschen.

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